Trauermantel.de

Gesamteindruck

Trauermantel; Foto: Thomas Ziebarth; Unterschönau, Thüringen, Deutschland (05. September 2005)

Für viele Menschen ist die Begegung mit dem Trauermantel ein ganz besonderes und seltenes Ereignis, das in Erinnerung bleibt. Viele detaillierte Erzählungen von Zusammentreffen mit dem schönen Falter zeugen davon (siehe z.B. /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifPeter Kremer: Schmetterlinge).

Das äußere Erscheinungsbild des Trauermantels ist unverwechselbar. Mit einer Spannweite von 55-76 mm gehört der Trauermantel in Deutschland bzw. in Europa zu den größten Tagfaltern.

Der Trauermantel macht - anders als viele andere Tagfalter - weniger den Eindruck eines "fröhlichen Gauklers". Vielmehr wird er oft als schwermütig oder als düster charakterisiert.

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Flügeloberseite

Trauermantel (Zuchtaufnahme); Foto: Dieter Stüning; Bonn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland (ca. 1995)

Die Flügeloberseiten des Trauermantels sind bräunlich/samtschwarz, eine Farbkombination die schwer zu charakterisieren ist und für die es daher die unterschiedlichsten Farbbeschreibungen gibt:

"schwarz" Quelle: von Linné, 1767 - Caroli a Linné, Systema Naturae, Tom. I. Pars II., Editio Duodecima Reformata., "samtartig braun" Quelle: Seitz, 1909 - Die Gross-Schmetterlinge der Erde: Eine systematische Bearbeitung der bis jetzt bekannten Groß-Schmetterlinge, "sammet braun" Quelle: Borkhausen, 1788 - Naturgeschichte der Europäischen Schmetterlinge, "sammetartig schwarzbraun", "kaffeebraun" Quelle: Hofmann, 1894 - Die Großschmetterlinge Europas, "schokoladebraun", "schokoladenfarben" Quelle: Harris, 1766 - The Aurelian, "sammetartiges tiefes Rotbraun" Quelle: Gönner, 1928 - Der Trauermantel und sein Formenkreis, "samtig dunkelviolett-braun" Quelle: Bühler-Cortesi, 2009 - Schmetterlinge - Tagfalter der Schweiz, "weichselbraun" Quelle: Freyer, 1836 - Neuere Beiträge zur Schmetterlingskunde, Zweiter Band, Heft 25, "purpurbraun" Quelle: Scudder, 1899 - Every-day Butterflies: A Group of Biographies.

An den außen liegenden Rändern befindet sich ein zusammenhängender gelber leicht mit schwarzen Pünktchen gefleckter Saum, dessen Farbe ebenfalls unterschiedlich benannt ist:

"schwefelgelb" Quelle: Bühler-Cortesi, 2009 - Schmetterlinge - Tagfalter der Schweiz, "strohgelb" Quelle: Gönner, 1928 - Der Trauermantel und sein Formenkreis, "lichtgelb", "gelbbraun/beige (buff-yellow)" Quelle: Scudder, 1899 - Every-day Butterflies: A Group of Biographies, "hellgelb" Quelle: Harris, 1766 - The Aurelian.

Trauermantel auf Stamm einer Birke; Der Trauermantel wechselte seine Sonnen-Position alle ca. 5 Minuten zwischen einem Kiesweg und den Stämmen von Birken.; Foto: Ingo Daniels; Berlin-Dahlem, Botanischer Garten, Deutschland (22. März 2012, 12:43 Uhr)

Der Saum überwinterter Falter ist zumeist ausgeblichen hellgelb bis weißlich. Es gibt durchaus auch Falter, die ihre Überwinterung ohne diesen Farbverlust hinter sich bringen und im Frühjahr mit prächtigen Farben erscheinen (siehe Quelle: Böhling, 1996 - Eine Beobachtung zur Überwinterung des Trauermantels (Nymphalis antiopa L.) in der Lüneburger Heide[Böhling, 1996]).

Es gibt auch Falter, die über einen angeborenen weißen Saum (insbesondere im skandinavischen Raum) oder Variationen zwischen gelb und weiß verfügen Quelle: Esper, 1777 - Die Schmetterlinge in Abbildungen nach der Natur Quelle: Cockayne, 1921 - The White Border of Euvanessa antiopa L. Quelle: Chalmers-Hunt, 1977a - The 1976 Invasion of the Camberwell Beauty (Nymphalis antiopa L.) (siehe /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifForschung bzgl. der Saumfarbe des Trauermantels), wobei sich in Europa ein Nord/Süd-Gefälle ergibt: Im Norden ein angeborener tendentiell weißer Saum. Im Süden ein tendentiell gelber Saum.

Ausschnitt der Flügeloberseite desTrauermantels; Deutlich sind die Schuppen des (hier wegen Überwinterung) hellgelben Saums, des schwarzen Vorsaums mit den blauen Prachtflecken, sowie des rotbraunen Flügelhintergrunds erkennbar.; Foto: Ingo Daniels; Berlin-Dahlem, Botanischer Garten, Deutschland (22. März 2012, 12:48 Uhr)

Neben dem gelben/weißen Saum sitzen auf einem schwarzen Vorsaum blaue/violette sog. "Postdiskalflecken" Quelle: Tolman/Lewington, 1998 - Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas - auch "Prachtflecken" Quelle: Bergmann, 1952 - Die Großschmetterlinge Mitteldeutschlands oder "Dorsalflecken" Quelle: Standfuss, 1896 - Handbuch der paläarkitischen Gross-Schmetterlinge für Forscher und Sammler genannt. Die Farbe der Flecken kann sich mit dem Winkel des einfallenden Lichts ändern und so zwischen Blau- und Violett-Tönen wechseln - ähnlich wie ein männlicher Großer Schillerfalter je nach Lichteinfall einen blauen Schiller erhält (Quelle: Eigenbeobachtung, 22.03.2012). Die Oberflügel tragen in der Regel acht, die Hinterflügel sieben dieser meist ovalen oder keilförmigen Flecken.

Am Vorderrand der Vorderflügel befinden sich zwei senkrecht abgehende weiße/gelbliche Längsflecke, auch Costalflecke genannt Quelle: Standfuss, 1896 - Handbuch der paläarkitischen Gross-Schmetterlinge für Forscher und Sammler.

Einschub

Unter ultraviolettem Licht erscheint der gelbe Saum in gleicher Intensität orange. Im Gegensatz zum Saum ist die Farbe der blauen/violetten Flecken unter ultraviolettem Licht identisch Quelle: Phillips, 1959 - Fluorescence in the colors of certian Lepidoptera observed under ultraviolet light.

Es kann kleinere Variationen in Größe, Farbgebung und Zeichnung der Flügel geben. Diese Variationen können u.a. in Zusammenhang mit den Temperaturbedingungen während der Puppenphase stehen (siehe /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifFormen/Aberrationen des Trauermantels, /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifIndividuelle Variationen des Trauermantels und /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifForschung bzgl. Variablität des Trauermantels).

Die Grundfarbe der Flügeloberseite kann mehr ins Schwarze, bisweilen auch ins Hellbraune gehen Quelle: Esper, 1777 - Die Schmetterlinge in Abbildungen nach der Natur[Esper, 1777]. Ross Layberry sieht für nordamerikanische Trauermäntel die Unterart ssp. hyperborea grundsätzlich mit einer helleren ins Braune gehenden Flügeloberseitenfarbe versehen, während die nordamerikanische Unterart ssp. lintnerii die gleiche dunklere Grundfarbe wie die europäische Stammform hat Quelle: Layberry, 2009 - Possible Subspecies of the Mourning Cloak (Nymphalis antiopa)[Layberry, 2009].

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Flügelunterseite

Trauermantel an Erde saugend; Foto: Gerd Lintzmeyer; Zeitzer Forst (Rand des Forstgebiets), Sachsen-Anhalt, Deutschland (11. Juli 2003 (morgens))

Die Flügelunterseiten sind schwarz/grau/braun mit den gleichen hellen Rändern der Flügeloberseiten.

Sie erinnern bisweilen an Baumrinde oder ein vertrocknetes Blatt. Ruht der Falter z.B. auf einer Baumrinde, so ist er dadurch sehr gut getarnt. Diese Tarnung reduziert auch die Wahrscheinlichkeit der Entdeckung bei der Sommerruhe (siehe: /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifVerhalten des Trauermantels: Sommerruhe) und Überwinterung (siehe: /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifVerhalten des Trauermantels: Überwinterung).

Wie andere Edelfalter auch, hat der Trauermantel in der Mitte der Hinterflügel-Unterseite eine helle Markierung.

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Körper

Nahansicht des Kopfes eines Trauermantels; In der Nahansicht offenbart der Trauermantel umso mehr seine faszinierende Schönheit.; Foto: Ingo Daniels; Berlin-Dahlem, Botanischer Garten, Deutschland (22. März 2012, 12:39 Uhr)

Im Gegensatz zu den eindrucksvoll gezeichneten Flügeln ist der behaarte Körper des Trauermantels von nicht ungewöhnlicher dunkelbrauner bis schwarzer Farbe, allerdings zeichnen sich die vier gelbbraunen Beine deutlich vom dunklen Körper ab.

Fühler des Trauermantels; Die Fühler des Trauermantels bestehen aus 38 Gliedern.; Foto: Ingo Daniels; Berlin-Dahlem, Botanischer Garten, Deutschland (22. März 2012, 12:50 Uhr)

Beine des Trauermantels; Die vier Beine des Trauermantels heben sich mit ihrer hellgelben Farbe von dem ansonsten dunklen Körper ab.; Foto: Ingo Daniels; Berlin-Dahlem, Botanischer Garten, Deutschland (22. März 2012, 12:50 Uhr)

Wie alle Mitglieder aus der Familie der Edelfalter hat der Trauermantel nicht sechs, sondern nur vier "echte" Beine. Das vordere Beinpaar ist zurückgebildet und wird zum Putzen verwendet.

Die Fühler bestehen aus 38 Gliedern mit oben und unten rostbraun gefärbten Kolbenenden. Die Lippentaster sind weißgelb.

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Geschlechtsmerkmale

Männliche und weibliche Falter des Trauermantels sehen sich sehr ähnlich. Allerdings unterscheiden sie sich in der Gestalt ihrer Vorderbeine: Diese sind bei Männchen etwas schlanker und weniger behaart, als bei Weibchen (Quelle: /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifJoseph Belicek, pers. comm., 2009).

Obwohl weibliche Trauermäntel generell etwas größer als männliche Trauermäntel sind, ist dies aufgrund der variablen Faltergrößen kein verlässliches Unterscheidungsmerkmal der Geschlechter.

Nach WikipediaEugen Johann Christoph Esper (1742-1810) haben die Weibchen des Trauermantels einen etwas dickeren Leib als die Männchen Quelle: Esper, 1777 - Die Schmetterlinge in Abbildungen nach der Natur[Esper, 1777]:

"Blos der dickere Leib ists, woran man das Weibchen kennt; um etwas pflegt das Männchen feiner zu seyn."

Ein männlicher und ein weiblicher Zitronenfalter; Im Frühjahr 2014 flogen ungewöhnlich viele Zitronenfalter durch den Bonner Kottenforst. Alle paar Meter verfolgte an diesem sonnigen Tag bei ca. 17°C. an sonnenbeschienenen Waldwegen ein Männchen ein Weibchen.; Foto: Ingo Daniels; Bonn, Kottenforst/Nordrhein-Westfalen, Deutschland (17. April 2014, 14:45 Uhr)

Anders als der Trauermantel verfügen viele andere Tagfalter über einen ausgeprägten Sexualdimorphismus, wie z.B. der Zitronenfalter, bei dem die Männchen gelb gefärbte, die Weibchen hingegen weiß gefärbte Flügel haben.

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