| Jan | Feb | Mar | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | ||||||||||||||||||||||||
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Der in Europa einbrütige Falter schlüpft in Deutschland etwa Mitte Juli bis August. Der genaue Schlupfzeitpunkt hängt u.a. von der Höhe der Gebiets ab, in dem der Falter seine Präimaginalstadien durchlebt. Falter in niedrigeren Lagen schlüpfen für gewöhnlich zu einem früheren Zeitpunkt, als Falter in höheren Lagen.
Existieren zum Schlupfzeitpunkt ungünstige Wetterbedingungen, so können die Falter durchaus einige Wochen ohne Nahrungsaufnahme auf einen geeigneten Ausflugzeitpunkt warten
.
Nach dem Schlupf fliegt der Trauermantel nur für einen kurzen Zeitraum, um schon bald in einem Ruhequartier eine länger andauernde Sommerruhe zu halten (siehe
Sommerruhe).
Direkt vor oder nach dieser Ruhephase streift er oft weit umher
und wandert ggf. auch in entferntere Gebiete ab
.
Etwa mit Beginn des Herbstes kommt es zu einer Phase erneuter Flugaktivität, in der Energiereserven für die bevorstehende Überwinterung (siehe
Überwinterung) aufgebaut werden. Zu dieser Zeit lieben es die Falter, sich auf sonnigen Plätzen niederzulassen und mit ausgebreiteten Flügeln zu sonnen
.
Die Überwinterung endet in Deutschland etwa Ende März, kann in höheren Lage aber auch deutlich später enden. Danach fliegt der Trauermantel wieder bis zur Paarung (siehe
Vermehrung), die etwa Anfang Juni stattfindet.
Der Trauermantel erreicht so als Falter eine Lebensdauer von durchschnittlich etwa 43 Wochen - eine vergleichsweise lange Zeit.
Für gewöhnlich verbleibt einem der Puppe entschlüpften Falter nur noch eine kurze Lebenszeit. Das Gros der Falter wird nur zwischen 2 und 3 Wochen alt. Die folgende Tabelle zeigt die prozentuale Verteilung der durchschnittlichen Lebensdauer der in Deutschland vorkommenden Tagfalter (aus
[Settele et al., 1999]):
| Wochen | |||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 14 | 15 | 37 | 43 | 46 | 49 |
| 7% | 39% | 30% | 10% | 7% | 1% | 1% | 1% | 1% | 1% | 2% | 1% |
In den USA ist der Trauermantel einbrütig oder zweibrütig. Wie viele Generationen der Falter in einem Gebiet hat, ist u.a. abhängig vom Breitengrad und der Höhe des Gebiets.
Im Norden Amerikas und in Gebirgsregionen hat der Falter eine Generation (Flugzeit von Juli bis Juni des folgenden Jahres), ansonsten zwei Generationen (Flugzeit von Juni bis August und August bis Mai des folgenden Jahres). Zweibrütig ist der Falter z.B. in Süd NewYork, Lowland Colorado und an der Küste von Kalifornien. Vermutlich fliegt der Falter im Valley Migratory auch in drei Generationen, d.h. er ist dort dreibrütig
.
Bei den zweibrütigen Faltern in Wisconsin/USA beginnt die erste Generation Ende Juni bis Mitte Juli. Die zweite Generation hat ihren Anfang zwischen Ende August und Ende Oktober
.
Die erste Generation der zweibrütigen Falter aus Zentral- und Süd- Neu England erscheint im Juli. Die zweite Generation folgt im September. Die Falter aus Nord- Neu England, New Hampshire und Vermont sind hingegen einbrütig. Nachdem die Falter geschlüpft sind, fliegen sie einige Tage und ziehen sich dann in kalte Wälder zurück um eine Sommerruhe zu halten (siehe
Sommerruhe).
Die Paarung findet ca. 48 Stunden nach dem Schlupf statt. Danach oder spätestens während der folgenden Überwinterung sterben die Männchen ab. Nur die eiablagebereiten Weibchen erleben also das folgende Frühjahr.
Nachdem die Weibchen gegen Anfang April ihr Überwinterungsversteck verlassen haben, legen sie einige Wochen später an den frisch austreibenden Pflanzen die Eier ab.
Die Falter haben eine Tagesflugzeit von ca. 10:00 Uhr bis 16:30 Uhr und sind auch schon bei Temperaturen von 12-16 Grad Celsius anzutreffen.
Für die zweite Generation sind die Verhältnisse ungleich schwieriger, als für die erste Generation. Die bestimmenden Faktoren sind hier Temperatur, Nahrungsangebot und Feinde. Young schließt daraus, dass Falter der zweiten Generation tendenziell sesshafter sind
.
Der Trauermantel ist ausschließlich tagaktiv (es existieren auch Hinweise auf gelegentliche Nachtaktivität
). Er bewegt sich gerne in größeren Höhen, insbesondere im Kronenbereich von Bäumen oder Büschen. Hierdurch entzieht er sich oft einer Beobachtung.
Der Falter ist ein schneller und eleganter Flieger.
Ähnlich wie der Monarch hält er beim Gleiten die Flügel leicht über der Horizontalen. Beim gemütlichen Flug schlagen die Flügel in einem Winkel von etwa 45º, beim schnellen Flug werden es um die 150º, d.h. sie schlagen fast zusammen
.
Der Trauermantel saugt mit seinem Rüssel gerne an Holzsäften verletzter oder gefällter Bäume, vorzugsweise an Eichen und Birken. Diese energiereiche Nahrung ermöglicht eine schnelle Energieaufnahme, die gerade im Frühjahr sehr vorteilhaft ist. Dabei saugt er auf der Rinde sitzend zu meist kopfüber, also mit dem Kopf zum Boden gerichtet.
In den USA wurde der Trauermantel dabei beobachtet, wie er den austretenden Saft des Ahorns an Stellen von Eichhörnchen angenagter Rinde saugt. Auch Blattlaus-Honigtau saugt er manchmal von verklebten Blättern befallener Pflanzen ab. Im April und Mai besuchen die Falter der USA auch die Blüten des Streifen-Ahorns und später die der Gewöhnlichen Seidenpflanze
.
Nach der Überwinterung dienen meistens blühende Weiden als erste Nahrungsquelle. Aber es werden auch Blütenpflanzen (in Siedlungsbereichen oft an Schmetterlingsflieder-Blüten) aufgesucht. Nasse Erde dient gelegentlich als Wasserquelle
. Im Herbst findet man den Trauermantel an überreifem Obst saugend.
Insbesondere im britischen Raum finden sich Darstellungen, der Falter könne nachts durch in Sirup oder in Saft verletzter Eichen getränkte Papierstreifen angelockt und gefangen werden
. Als weiteren Köder zum Anlocken von Faltern können vergorene Ananas-Stücke in Käseleinen-Beuteln verwendet werden
.
In den von Allen M. Young durchgeführten Untersuchungen in Wisconsin/USA (
[Young, 1980]) wurde eine interessante Beobachtung im Zusammenhang mit dem Saftfluss verletzter Bäume gemacht:
In den Vormittagsstunden suchen Gelbbauch-Saftlecker regelmäßig die gleichen Bäume auf, um sie mit ihrem Schnabel zu bearbeiten. Der dadurch ausgelöste Saftfluss wird vom Trauermantel als primäre carbohydratreiche Nahrungsquelle genutzt. Da der Saft schnell trocknet und hart wird, versiegt die Quelle in den Mittagsstunden.
Während der Balzzeit im späten Frühjahr bleiben die männlichen Falter in einem Revier. Sie zeigen dabei typisches Revierverhalten, wobei Gebiete von über 300 qm teilweise aggressiv und unerschrocken verteidigt werden.
Sie fliegen auf Eindringlinge wie andere Falter oder Vögel
direkt zu und gelegentlich werden sogar Menschen angegriffen
. Es gibt einen Bericht über einen Trauermantel, der neben Personen und anderen Faltern auch eine Fledermaus angegriffen und sie nach Verfolgung aus dem eigenen Territorium vertrieben hat
.
Es wird auch von Klick-Geräuschen berichtet, die der Falter beim Angriffsabflug erzeugt
.
Der Trauermantel kann aber durchaus auch zutraulich sein. Es kommt immer wieder vor, dass ein Trauermantel sich auf einem Menschen niederläßt, dort sogar einige Minuten verweilt und häufig Schweiß aufsaugt. Selbst Bewegungen der Person verteiben den Falter nicht (eine Erfahrung, die ich selber schon einmal mit einem Großen Schillerfalter gemacht habe).
Friedrich Schnack berichtet von einer "geheimen Saite"
:
Trifft der Falter auf einen Konkurrenten, so fliegen die beiden Männchen in senkrechten Spiralen aufwärts (10 bis 14 Meter hoher Kreisflug) und für gewöhnlich verläßt der Eindringling daraufhin das Gebiet
.
Die Weibchen halten sich häufig versteckt
oder fliegen ohne Bindung an ein Revier umher.
Wird hingegen ein weiblicher Falter verfolgt und zeigt das Weibchen Kopulationsbereitschaft, so verdeutlicht es dies durch ein kurzes intensives Flattern
.
Mittag oder Frühnachmittag ist die übliche Tageszeit für die Paarung
.
Die am Boden statt findende Kopulation
dauert etwa 90 Minuten
und schon bald danach beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Die Eiablage kann die in mehreren Schüben stattfinden. Nicht viel später stirbt das Weibchen.
Männliche und weiblichen Falter finden visuell zusammen. Es wird vermutet, dass ein Männchen ein Weibchen erst beim Kreisflug erkennt
.
Spektrum der Wissenschaft 01/2007: Vögel sehen die Welt bunter.Der Trauermantel wird heute in der Regel als Wanderfalter eingestuft.
Im Gegensatz zu den "typischen" Wanderern Admiral und Distelfalter, die alljährlich zu festen Zielen emigrieren, gilt der Trauermantel als eine Art, die vorzugsweise zum Zweck der Arealerweiterung wandert
.
Der Falter kann also bodenständiges Verhalten zeigen und damit lokale Populationen aufrecht erhalten. Ein Teil der Population kann aber auch migrieren und dadurch für eine geographische Ausbreitung der Art sorgen. Diese "teilweise" Migration ist dann vorteilhaft, wenn im Lebensraum des Falters populationsgefährdende Bedingungen herrschen, wie z.B. gelegentliche zu warme Winter.
Einige Einstufungen bzgl. des Wanderverhaltens aus der Literatur:
Wie hoch der Anteil migrierender Falter ist, ist mir nicht bekannt, es könnte aber sein, dass er dynamisch z.B. von der vorliegenden Populationsdichte (zu hohe Population oder zu niedrige Population) oder den Umweltbedingungen wie z.B. dem zur Verfügung stehenden Nahrungsangebot abhängt.
Migrierende Falter wandern üblicherweise unmittelbar nach dem Schlupf und somit vor der Sommerruhe
.
Die Falter wandern einzeln oder in kleinen Gruppen
.
Die Wanderrichtung und -Strecke hängt in hohem Maße von den vorliegenden Windrichtungen und -Stärken ab. Diese so genannte "Mitwindmigration" kann eine Erklärung für die Verbreitung bzw. Ausbreitung des Falters liefern
.
Gelegentlich kommt es auch zu Massenwanderungen. Eine große Anzahl von Faltern bewegt sich dann innerhalb eines schmalen Zeitkorridors in eine ähnliche Richtung und über eine ähnliche Entfernung.
Ein Beispiel sind die seltenen Einwanderungswellen auf den britischen Inseln (siehe
Verbreitung des Trauermantels: Britische Inseln und
Forschung bzgl. der Invasionen durch den Trauermantel). In Nordamerika gab es Massenbewegungen in Süd Texas, Süd Florida und Bermuda
.
Schon wenige Tage nach dem Schlupf hält der Trauermantel eine Sommerruhe, die er z.B. in Häusern oder geschützten Gebüschen verbringt. Andere Unterschlüpfe finden die Falter unter Stämmen oder loser Rinde toter Bäume
.
Sie verfallen an ihrem Ruheplatz in einen mehrwöchigen Schlaf.
Eine bemerkenswerte Eigenart des Trauermantels ist dabei das Verfallen in eine Art Schlafstarre. In dieser Starre sind die Flügel zusammengeklappt, die Fühler werden nach hinten zwischen den Flügeln verborgen und die Beine werden an den Körper herangezogen. Der Falter sitzt für gewöhnlich so, dass die Flügel in Richtung des Untergrunds zeigen
.
Diese Starre wird auch in der Winterruhe eingenommen und kann darüber hinaus auch bei frisch geschlüpften Faltern beobachtet werden, wenn sie gestört werden
. Letzteres kann durchaus als eine Form des Totstellens angesehen werden.
Die Sommerruhe wird im frühen Herbst, wenn es wieder kälter wird, beendet
.
H.G. Adams berichtet von Trauermänteln auf dem Gipfel des Drachenfelses bei Bonn
. Es blies ein kräftiger Wind und die Falter saßen auf der windabgewandten Seite der Bäume auf der Rinde und waren in einen Zustand der Starre verfallen. Wurden sie in die Luft geworfen, so öffneten sie die Flügel kaum oder sie flatterten nur schwach bis zur nächsten Stelle mit Schutz vor dem Wind (siehe vollständige Übersetzung:
Henry Gardiner Adams: Beautiful Butterflies - Camberwell Beauty).
Neben der Sommerruhe hält der Trauermantel als Falter auch eine Winterruhe.
Obwohl der Falter vergleichsweise unempfindlich gegen tiefe Temperaturen ist, stellen für ihn Eiskristalle in seinem Körper eine tödliche Gefahr dar. Er schützt sich durch die Einnahme natürlicher "Frostschutzmittel" wie Sorbitol, die er erst bei kälterer Witterung produziert. Im Sommer fehlen dem Falter diese Mittel, so dass Falter bei sehr kalten Sommer-Temperaturen sofort absterben. Da der Frostschutz aber nur bis zu einer bestimmten Temperatur wirksam ist, können für den Falter auch zu kalte Winter todbringend sein
.
Erst unter -38° C. versagt der natürlich Frostschutz und die Falter sterben (Quelle:
Joseph Belicek, 2009).
Kenelm W. Philip setzte in Fairbanks/Alaska/USA zur Überwinterung einzelne Trauermäntel in Öffnungen, die er in ein Stück Holz gebohrt hatte. Die beiden offenen Seiten der Öffnung verschloss er mit Gewebe, so dass die Falter geschützt waren. Das Holzstück platzierte er auf dem Boden, wo es schneeüberdeckt die Falter erfolgreich überwintern ließ (Quelle:
Joseph Belicek, 2009).
Generell stellen kalte Winter ohne große Temperaturschwankungen optimale Überwinterungsbedingungen für den Trauermantel dar. Bei zu warmen Wintertagen kann es vorkommen, dass einzelne Falter frühzeitig das Überwinterungsquartier verlassen, was für die Falter tödlich enden kann.
Der Trauermantel verläßt seinen Überwinterungsplatz bereits an den ersten warmen Frühlingstagen (etwa zur Blütezeit von Huflattich)
. In manchen Gegenden mit langen Schneelagen bis ins Frühjahr hinein ist es nicht ungewöhnlich, trotz noch liegenden Schnees schon Trauermäntel umher fliegen zu sehen.
G. H. Parker hat im Rahmen seiner intensiven Beobachtungen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in Neu England (USA) festgestellt, dass der Trauermantel kalte Frühlingsnächte an Orten analog den Überwinterungsplätzen verbringt
. Angetrieben durch sinkende Temperaturen suchen die Falter eines Gebiets nahezu zeitgleich diese Übernachtungsquartiere auf (Anfang April war dies die Zeit zwischen 16:00 Uhr und 16:15 Uhr).
Die Populationsdichte liegt in den Vorkommensgebieten statistisch zwischen einem Falter pro Hektar und sechs Faltern pro Quadratkilometer
.
Die Populationsgrößen des Trauermantels unterliegen mehr oder weniger zyklischen Populationsschwankungen. Es kommt immer wieder in einzelnen Gebieten zu Populationsexplosionen, wo hingegen die Populationen anderer Gebiete extrem zurück gehen oder sogar vollständig erlöschen können.
Die typischen Fressfeinde des Falters sind Vögel.



















