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Etwa zwei Wochen, nachdem die Eier abgelegt wurden, entschlüpfen ihnen kleine schwarze Räupchen. Hierfür frisst die Raupe in den oberen Bereich des Eies ein kleines Loch durch das es aus dem Ei herauskrabbelt
.
Die frisch aus den Eieren geschlüpften schwarzen Räupchen versammeln sich alle auf einem einzigen Blatt, Seite an Seite und Kopf an Kopf zum Blattrand ausgerichtet
und suchen dabei gerne die der Sonne abgewandte Seite der Pflanze auf
. In dieser Position knabbern sie am Blatt, anfangs jedoch ohne die Leitbündel anzurühren. Ist ein Blatt aufgefressen, so verlässt die gesamte Raupengruppe das übrig gebliebene Blattgerippe um beim nächsten Blatt den Fraß fortzuführen
.
Läuft eine Raupe, dann spannt sie einen seidenen Faden, so dass schließlich ein feines Netz entsteht, welches den Raupen Halt und später auch Schutz bietet
.
Nachdem sie etwa eine Woche auf diese Art und Weise gefressen und gesponnen hat, häutet sich die Raupe zum ersten Mal. Die Haut platzt am Rücken auf und sie kriecht mit neuer Haut aus dem alten Kleid heraus
.
Um den Zeitpunkt der Häutung herum verfällt die Raupe in eine inaktive Phase, die aber bald nach den Häutung wieder endet und in eine erhöhte Gefräßigkeit übergeht
.
Innerhalb der nächsten drei Wochen häutet die Raupe sich weitere drei Male, d.h. insgesamt durchläuft sie vier Häutungen.
Je größer die Raupen werden, umso mehr fressen sie auch vom Leitbündel der Blätter. Anfangs wird alles bis auf Mittel- und Seiterippe gefressen, später alles bis auf die Mittelrippe
.
Die Raupe ist polyphag, d.h. man findet sie auf unterschiedlichen Pflanzenarten (siehe
Nahrung), bevorzugt aber nicht zu alte Pflanzen
.
Fressen - Fressen - Fressen...
Fressen - Fressen - Fressen...
Die nebenstehende Aufnahme von
Dietmar J. Baumgartner zeigt eine Raupenkolonie während einer Häutungsphase.
Die Raupe unten links häutet sich gerade. Die Häutung der Raupen mit orangem Kopf und weißen Stacheln ist erst kürzlich erfolgt. Zwischen den Raupen sind leere Raupenhüllen zu erkennen.
Nach der vierten und letzten Häutung verteilen sie sich über den gesamten Zweig (
), geschützt durch ein gemeinsam gesponnenes Gespinst
.
Erwachsene Raupen verteilen sich über die gesamte Futterpflanze.
Dietmar J. Baumgartner beobachtete, dass sich zwei gemeinsam eine Weide bewohnende Raupenkolonien mit fortschreitender Entwicklung in höher Gefilde des Baumes begaben.
Wird eine Raupe gestört, so zuckt sie zur Verteidung zusammen
, bzw. vollführen alle Raupen einer Gemeinschaft im gleichen Takt hin- und herschwenkende Bewegungen des Vorderkörpers
.
Es kann vorkommen, dass die gesamte Futterpflanze kahl gefressen wird
.
Zur Verpuppung verlassen die Raupen die Futterpflanze um einen geschützten Platz zu suchen. Auf der Verpuppungsstelle spinnt die Raupe ein seidenes Netz, in das es die mit Häkchen versehenen hinteren Beine hängt, um so kopfüber nach unten hängend einige Stunden zu verharren. Schließlich reißt die Haut auf der Rückseite direkt hinter dem Kopf auf und wird peu à peu nach durch Bewegung des Körpers nach oben abgestreift. Noch hat der Körper eine eigenartige Form, aber schon bald nimmt er die Puppenform an
.
Die polyphage Raupe ernährt sich hauptsächlich von den Blättern folgender Pflanzen:
Für Nordamerika stellt Clarence M. Weed einen Zusammenhang zwischen Häufigkeit der Falter und Futterpflanze der Raupen fest: In Gebieten, in denen der Falter häufig vorkommt, dienen bevorzugt Ulmen als Futterpflanze
, weswegen die Raupen dort auch Spiny Elm caterpillars (Deutsch: Stachelige Ulmenraupen) genannt wurden.
Die Raupen des Trauermantels werden - wie die Raupen vieler anderer Falter auch - von einer Vielzahl Parasitoiden heimgesucht. Durch die Parasitoiden können sie im Bestand zum Teil sehr stark dezimiert werden.
Folgende Familien von Parasitoiden befallen die Raupen:
- Erzwespen (Chalcide)
- Schlupfwespen (Ichneumons)
- Raupenfliegen (Tachinide)
- Scelionid-Wespen (Scelionide)
Die winzigen vierflügeligen Erzwespen legen ihre Eier in die Raupen des Trauermantels. Dort entwickeln sich die Larven weiter und töten schließlich die Raupe. Nach Verpuppung und Schlupf geht sie dann auf Wirtssuche. Bis zu 145 Erzwespen können eine befallene tote Raupe wieder verlassen
.
Im Gegensatz dazu entwicklen sich die wesentlich größeren Schlupfwespen nur in ein oder zwei Exemplaren in einer Raupe des Trauermantels
.
Raupenfliegen legen ihre Eier auf der Haut der Raupen ab. Schlüpft die Larve, so frisst sie sich durch die Haut des Eis und die Haut der Trauermantel-Raupe hindurch in den Raupenkörper, um sich dort vom Innern der Raupe zu ernähren. Die Raupe wird durch den Parasitoid immer weiter geschwächt und zunehmend träge. Zu diesem Zeitpunkt läßt sich der Befall mit einer Raupenfliege auch daran erkennen, dass befallene Raupen bei Störung nicht wie die anderen Raupen fort krabbeln. Ist die Larve der Raupenfliege ausgewachsen, bricht diese durch die Haut der sterbenden Raupe nach Außen, um sich zu Boden fallen zu lassen und sich dort zu verpuppen. Verpuppung bedeutet in diesem Fall, dass die Haut der Larve braun und härter wird. Schließlich schlüpft nach ein bis zwei Wochen die Raupenfliege.
.
Schlupfwespen
bzw. Raupenfliegen
stellen in Europa die größte Plage dar. Clarence M. Weed berichtet, dass Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in New Hampshire (USA) Raupenfliegen die häufigsten Trauermantel-Parasitoiden waren
.
Die folgende Tabelle zeigt einige bekannte Parasitoiden des Trauermantels:
| Parasitoid | Familie | Ordnung | Gebiet | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Ichneumon fossorius | Schlupfwespe | Hautflügler | Europa | [Scudder, 1889] |
| Hoplismenus terrificus | Schlupfwespe | Hautflügler | Europa | [Scudder, 1889] |
| Hoplismenus morulus | Schlupfwespe | Hautflügler | Neu-England (USA) | [Scudder, 1889] |
| Pteromalus puparum | Erzwespe | Hautflügler | Europa | [Scudder, 1889] |
| Pteromalus vanessae | Erzwespe | Hautflügler | Neu-England (USA) | [Scudder, 1889] |
| Pteromalus puparum | Erzwespe | Hautflügler | Neu-England (USA) | [Scudder, 1889] |
| Derostenus antiopae | Erzwespe | Hautflügler | Neu-England (USA) | [Scudder, 1889] |
| Telenomus graptae | Scelionid-Wespe | Hautflügler | Neu-England (USA) | [Scudder, 1889] |
| Phorocera edwardsii | Raupenfliege | Zweiflügler | Neu-England (USA) | [Scudder, 1889] |
| Phorocera concinnata | Raupenfliege | Zweiflügler | Europa | [Scudder, 1889] |
| Phorocera antiopae | Raupenfliege | Zweiflügler | Europa | [Scudder, 1889] |
| Exorista larvarum L. | Raupenfliege | Zweiflügler | Nord-Griechenland | [Roer, 1981] |
| Compsilura concinnata Meig. | Raupenfliege | Zweiflügler | Nord-Griechenland | [Roer, 1981] |
| Sturmia bella Meig. | Raupenfliege | Zweiflügler | Nord-Griechenland | [Roer, 1981] |
| Masicera cuculliae R.D. | Raupenfliege | Zweiflügler | Nord-Griechenland | [Roer, 1981] |
| Pelatachina tibialis | Raupenfliege | Zweiflügler | [Roer, 1981] mit Referenz auf [Herting, 1960] |
Generell scheinen Populationen in montanen Gebieten weniger von Parasitoiden befallen zu sein
.
Der Parasitierungsgrad der Raupen kann auch für Populationsschwankungen des Trauermantels verantwortlich sein
.
In Nordamerika werden Raupen des Trauermantels auf dem Weg zur Verpuppung (aber auch die Puppen) durch Eich- und Backenhörnchen verspeist (Young
mit Verweis auf L. Tevis 1953 in Nordost-Kalifornien durchgeführte Mageninhaltsuntersuchungen der beiden Nager).
Ein großer amerikanischer Käfer, der Calosoma scrutator - auch "Caterpillar Hunter" (deutsch: "Raupenjäger") genannt - frißt die Raupen des Trauermantels und kann dabei eine große Anzahl Raupen zerstören
.
In den südlichen Staaten der USA wurden Feldwespen beim Angriff auf Trauermantel-Raupen beobachtet und es gibt wahrscheinlich viele weitere Insekten, deren Nahrung auch Raupen des Trauermantel sind
.
Da die Raupen des Trauermantels sehr stachelig sind, gibt es vergleichwiese nur wenige Vogelarten, die den Raupen nachstellen. Für Nordgriechenland werden die Elster und für Deutschland/Bonn der Haussperling genannt
, für Nordamerika der Gelbschnabelkuckuck, der Schwarzschnabelkuckuck und der Baltimore-Trupial
.
Schließlich scheinen sie in Nordamerika auch auf der Speisekarte von Kröten zu stehen
.







