Trauermantel.de

Verbreitung des Trauermantels: Bonn und Umgebung

Eigene Sichtungen

Mir geht es nicht anders, wie vielen anderen Schmetterlingsfreunden auch:

Die erste Begegnung mit dem Trauermantel bleibt unvergessen!

Ich sah ihn erstmalig als Kind, Ende der Siebziger Jahre im Bonner Stadtteil Kessenich:

Mein Freund Rolf (damals ebenfalls ein großer Schmetterlingsfreund) klingelte hektisch an unserer Haustür und schrie nach dem Öffnen der Tür durchs Treppenhaus:

"Auf dem 'Sandtplatz' ist ein Trauermantel!!!"

Aufgeregt radelten wir so schnell wir konnten zum kleinen Sportplatz an der Ecke Hausdorffstraße/Eduard-Otto-Straße (damals 'Sandt-Straße'), nur wenig hoffend, dass wir den schönen Schmetterling tatsächlich noch antreffen würden.

Und doch - an einem kleinen den Sportplatz begrenzenden Hang sonnte sich ein wunderschöner Trauermantel mit ausgebreiteten Flügeln! So weit ich mich erinnern kann, handelte es sich um ein überwintertes Exemplar mit weißer Binde.

Ehrfürchtig ließen wir den Falter ziehen.

Es ist sehr gut möglich, dass der von uns gesichtete Falter im Zusammenhang mit den im Jahre 1976 stattgefundenen Masseneinwanderungen des Falters auf den Britischen Inseln stand (siehe Verbreitung des Trauermantels: Britische InselnVerbreitung des Trauermantels: Britische Inseln).

Einschub

Es sollte 30 Jahre dauern, bis ich den Trauermantel erneut zu Gesicht bekommen durfte:

Im Jahr 2008 waren mir schließlich zwei weitere, leider nur sehr kurze Begegnungen vergönnt:

Im Orfento-Tal bei Caramanico Terme in den Abruzzen/Italien sah ich am 10. Mai gegen Mittag einen Trauermantel, wie er etwa 5 Meter über den Fluss Orfento fliegend, in hohem Tempo einem anderen kleineren Schmetterling hinterher jagte.

Ein halbes Jahr später besuchte mich der Trauermantel dann erneut: Am Frog Pond in der Innenstadt von Boston/Massachusetts/USA sah ich ihn zweimal für ca. 10 Sekunden. Mit hoher Geschwindigkeit flog er durch den Innenstadt-Park, die Zeit reichte leider nur für eine Belegaufnahme.

Fremde Sichtungen

Die einzigen mir bekannten Sichtungen der letzten Jahrzehnte in und um Bonn finden sich in Artikeln von Kinkler Quelle: Kinkler, 1996 - Wiedereinwanderung des Trauermantels Nymphalis antiopa (LINNAEUS, 1758) ins nördliche Rheinland und ins westliche Westfalen (Lep., Nymphalidae) Quelle: Kinkler, 1997 - War die Hoffnung auf die Wiederansiedlung des Trauermantels Nymphalis antiopa (LINNAEUS, 1758) im Rheinland trügerisch? (Lep., Nymphalidae):

Ort Datum Anzahl Falter
Bonn-Kottenforst 14.04.1996 1
Königswinter-Oberdollendorf 12.09.1995 1
Wachtberg-Pech 17.08.1995 1

Vor etwa 150 Jahren muss der Trauermantel aber einmal in und um Bonn herum vorgekommen sein: Henry Gardiner Adams zitierte damals eine Anekdote, in der im Siebengebirge bei Bonn auf dem Gipfel des Drachenfelses einige Trauermäntel entdeckt wurden (siehe Henry Gardiner Adams: Beautiful Butterflies - Camberwell BeautyHenry Gardiner Adams: Beautiful Butterflies - Camberwell Beauty) Quelle: Adams, 1854 - Beautiful Butterflies: The British Species described and illustrated with an introductory chapter containing the History of a Butterfly through all its changes and transformations.

Verbreitung im Rheinland/Westfalen

Der Trauermantel verschwand im nördlichen Rheinland und westlichen Westfalen nach dem kalten Winter 1954/55 vollständig und hat sich seit dem nicht wieder eingebürgert Quelle: Kinkler, 1996 - Wiedereinwanderung des Trauermantels Nymphalis antiopa (LINNAEUS, 1758) ins nördliche Rheinland und ins westliche Westfalen (Lep., Nymphalidae).

Einschub

Dieser ungewöhnlich harte Winter war u.a. auch für das Auslöschen der gesamten Population des Moorgelblings im Hohen Venn/Eifel (Deutschland/Belgien) verantwortlich.

Ohr-Weide; Fotograf: Ingo Daniels; Hohes Venn, Belgien (September 2003)

Durch den fehlenden schützenden Schnee fielen den eisigen Temperaturen sämtliche überwinternden Raupen des Falters zum Opfer Quelle: LÖBF et al., 1997 - Praxishandbuch Schmetterlingsschutz.

Der Moorgelbling ist seitdem im Hohen Venn ausgestorben.

Gelegentliche Sichtungen des Trauermantels im Rheinland und Westfalen sind vermutlich auf gezüchtete Exemplare oder vereinzelte Einwanderer zurückzuführen. Fest angesiedelte bzw. etablierte Populationen sind unwahrscheinlich.

Beachtenswert ist das Jahr 1995, in diesem wurde eine ungewohnt große Anzahl Falter gemeldet, es wurde gar von Wiedereinwanderung gesprochen Quelle: Kinkler, 1996 - Wiedereinwanderung des Trauermantels Nymphalis antiopa (LINNAEUS, 1758) ins nördliche Rheinland und ins westliche Westfalen (Lep., Nymphalidae). Vergleichend mit den Anzahlen von Meldungen in den Niederlanden (ca. 1000 Falter) und Dänemark (ca. 2000 Falter), wo es in 1995 zu Masseneinwanderungen kam, waren die Rheinland/Westfalen-Meldungen allerdings eher bescheiden.

Schon ein Jahr später zeigte sich, dass die Anzahl Falter zu gering und die Wetterbedingungen zu ungünstig für eine erfolgreiche Wiederansiedlung waren.

Selbst in den Niederlanden kam es in der Folgezeit wieder zu einem rapiden Rückgang der Meldungen, so wurden im Frühjahr 1997 dort nur noch 25 Falter gesichtet Quelle: Kinkler, 1997 - War die Hoffnung auf die Wiederansiedlung des Trauermantels Nymphalis antiopa (LINNAEUS, 1758) im Rheinland trügerisch? (Lep., Nymphalidae).

Im Kreis Ahrweiler (ca. 20 km südwestlich von Bonn) kam der Trauermantel zwischen 1924 und 1940 zahlreich vor (Quelle: Busch, 1970 - Tag- und Nachtfalter in der Hocheifel[Busch, 1970]):

"... man an Birken und Weiden in allen Tälern ... sofern nur die Futterpflanze dort stand, die großen Raupengesellschaften ... am Futterzweig hingen. Damals hätte man mit Leichtigkeit Tausende von Trauermantelraupen eintragen und zum Falter heranziehen können."

1970 wurde dort kein einziger Falter mehr gesehen.