Wenn der Falter auf den Britischen Inseln gesichtet wird, dann hauptsächlich im Südosten Englands.
Die Verbreitung des Trauermantels auf den Britischen Inseln ist aber ein Sonderfall in Europa, wenn nicht sogar weltweit:
Der Falter ist dort nämlich nicht heimisch und eingewanderte Exemplare vermehren sich für gewöhnlich dort auch nicht.
Die wenigen gesichteten Exemplare sind somit entweder Einwanderer vom Kontinent, oder stammen aus Zucht.
Trotzdem wird der Falter in Großbritannien regelmäßig und in Irland sporadisch gesichtet.
Im Durchschnitt alle paar Jahrzehnte kommt es sogar vor, dass eine größere Anzahl Falter auf die Inseln gelangt.
Jahre, in denen der Trauermantel auf den britischen Inseln in größeren Mengen gesichtet wurde - so genannte "antiopa years", waren (Daten aus
[Asher et al., 2001],
[Chalmers-Hunt, 1977a] und
[Salmon, 2000]):
| Jahr | 1770 | 1789 | 1793 | 1820 | 1846 | 1872 | 1880 | 1947 | 1976 | 1995 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Anzahl Fundmeldungen | 436 | 52 | 270 | 350 |
1820 wurde eine große Anzahl toter Falter an die ost-englische Küste Durham's (südlich Newcastle upon Tyne) angeschwemmt. Sie waren bei der Überquerung der Nordsee ums Leben gekommen
.
Legendär und bis heute unerreicht ist immer noch das Jahr 1872, das "annus mirabilis", in dem es den bisherigen Rekord 436 Fundmeldungen und 150 Fänge gab
.
Zur Ursachenforschung bzgl. der Invasionen der britischen Inseln siehe
Forschung bzgl. der Invasionen durch den Trauermantel.
Ein anderer spektakulärer Falter, der ebenfalls von Zeit zu Zeit auf den britischen Inseln einwandert, ist der Monarch. In den Jahren 1995 und 1999 kam es vorzugsweise in Cornwall zu vielen Sichtungen des aus Nord-Amerika einwandernden Falters
. 1995 gab es ca. 200 Sichtungen, 1999 waren es ca. 400 Sichtungen.
Ich hatte in der letzten Septemberwoche 1999 das Glück, selber Zeuge dieses ungewöhnlichen und beeindruckenden Ereignisses zu sein.
Zu dieser Zeit war der Monarch in New York und Umgebung extrem häufig. Am Ost-Strand von Fire Island konnte ich Scharen des großen orangen Falters auf das offene Meer in östliche Richtung hinaus fliegen sehen. Zu jedem Zeitpunkt sah man mindestens eine Handvoll Falter, die den langen und gefährlichen Weg über den Atlantik auf sich nahm.
Einige dieser Falter trafen schließlich nach tagelanger Reise im Südwesten Englands ein, wo die Bedingungen aber ähnlich wie beim Trauermantel keine erfolgreiche Überwinterung zulassen.
Hinweis: Jürgen Hensle machte mich darauf aufmerksam, dass man annimmt, die Populationen des Monarchs auf den Kanarischen Inseln stammen von Faltern ab, die nach dem Erreichen Englands ihre Südwanderung fortsetzen.
In den letzten 50 Jahren wurden diverse Versuche unternommen, den Trauermantel auf den britischen Inseln anzusiedeln
, doch sämtliche Versuche schlugen fehl.
So wurden beispielsweise von L. Hugh Newman zwischen Juli 1956 und August 1961 in Kent und Herfordshire 500 vom Kontinent stammende markierte Falter frei gelassen - ohne dass dies irgendeine Auswirkung gehabt hat.
Warum kommt der Trauermantel auf den Britischen Inseln natürlicherweise nicht vor, bzw. vermehrt sich dort nicht?
Der Grund liegt wahrscheinlich im vorherrschenden atlantischen Klima (siehe auch
Verbreitung des Trauermantels: Bonn und Umgebung) und den damit verbundenen üblicherweise milden Wintern, wodurch keine erfolgreiche Überwinterung möglich ist
.
Eine Begegnung mit dem Falter im britischen Frühjahr ist ein schönes aber extrem seltenes Erlebnis und ob es überhaupt Fälle gibt, in denen der Falter sich auch vor Ort vermehrt hat, ist bis heute nicht eindeutig nachgewiesen.
In "Camberwell Beauty-Jahren" mit vielen eingewanderten und gesichteten Faltern wird das Ereignis vom ganzen Land u.a. durch entsprechende Beachtung in der Presse wahrgenommen und gewürdigt.
Insgesamt scheint es, als hätten die Briten ein ganz besonderes Verhältnis zu diesem schönen Schmetterling, wie eine Kolumne im Chichester Observer
[Williamson, 2002] erkennen läßt:
Der Artikel hat die Sichtung des Trauermantels in Sussex als Thema:
Die Liebe der Briten zum Trauermantel zeigt sich nicht zuletzt in dem Londoner Stadtteil Camberwell, der namensgebend für den britisch-englischen Namen des Falters ist.
Im August 1748 fing Benjamin Wilkes zwei Trauermäntel an der Cool Arbour Lane, der heutigen Coldharbour Lane in Camberwell, damals noch außerhalb von London liegend
.
Moses Harris war es, der 18 Jahre später zum ersten Mal den Namen Camberwell Beauty (Deutsch: Camberwells Schönheit) in seinem Artikel The Grand Surprize. Or Camberwell Beauty benutzte. In dem Artikel geht er sowohl auf die Sichtungen Wilkes, als auch auf weitere Sichtungen des Trauermantels ein.
Das damalige Dorf liegt nur etwa 4 km südlich von Themse und Tower-Bridge und ist heute ein lebhafter Ortsteil Londons.
Man ist in Camberwell heute stolz darauf, dass der Ort dem in England äußerest seltenen Schmetterling den Namen geben durfte.
Nicht nur ein Straßenschild auf der Hauptstraße Denmark Hill erinnert an die außergewöhnliche Sichtung vor über 250 Jahren.
Neben dem Trauermantel begegnen einem in Camberwell Schmetterlinge auf Schritt und Tritt.
Sei es als metergroßes Fassaden-Bild oder Name eines Einkaufszentrums. Sei es als Name eines Kindergartens, als Firmenlogo oder als Park-Emblem.
Sogar das Eingangstor eines Kinderspielplatzes am Camberwell Green hat die Gestalt eines Trauermantels mit gelbem Saum und blauen Flecken.








