Für jemanden, der wie ich primär im Bereich "exakter" Wissenschaften groß geworden ist, ist es auf den ersten Blick etwas verwundernd, wie wenig gesichertes Wissen über den Falter tatsächlich bekannt ist.
Nach intensiverer Auseinandersetzung mit der Thematik wird dies aber verständlich.
Man bedenke z.B., wie schwer es herauszufinden ist, wann und über welche Entfernungen sich einzelne Falter bewegen. Was bei Säugetieren via Mini-Sender heutzutage ein Leichtes ist, ist selbst mit dem aktuellen Stand der Technik bei den leichtgewichtigen Schmetterlingen ein schwieriges und uneffektives Unterfangen.
Vielleicht kann ja mit einer Weiterentwicklung der bei Bienen eingesetzten Mini-Chips (RFID, die nur einen Quadratmillimeter groß und 2.4 Milligramm leicht sind, eine neue Richtung eingeschlagen werden (siehe Artikel in
Spektrum der Wissenschaft von November 2003)?
2005 haben Lizzie Cant et al. von
Rothamsted Research in Harpenden/England eine Methode angewandt, anhand derer Schmetterlinge mit einem kleinen 12 Milligramm leichten kleinen Radarsender versehen werden und im Flugverhalten untersucht werden können
. Durch dieses "harmonische Radar" kann ein Falter über einen Entfernung von ca. 1 Kilometer nachverfolgt werden.
Viele Wissenslücken über den Trauermantel sind darauf zurück zu führen, dass das Verhalten der Falter auch in nicht weit von einander entfernten Gebieten stark variieren kann. Um wirklich gesichertes Wissen zu erhalten, müssten in jedem Gebiet mit hohem personellen und zeitlichen Aufwand Untersuchungen durchgeführt werden.
Es bleibt zu hoffen, dass weitere Mittel für diese Art von Grundlagenforschung zur Verfügung gestellt werden und dass die technische Entwicklung bald zu neuen revolutionären Anwendungen in der biologischen Forschung kommt.
