Zur Untersuchung des Migrationsverhaltens des Trauermantels hat Hubert Roer (1926-2002) in den Jahren 1962 und 1968 in Bonn Freilandversuche durchgeführt
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Die Falter waren als Raupe im vorletzten Larvenstadium aus der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki eingetragen und im
Zoologisches Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig, Bonn weiter gezüchtet worden. Nach dem Schlupf wurden die Falter einige Kilometer südwestlich von Bonn ausgesetzt.
Zur Identifizierung hat Roer sie vor dem Aussetzen durch das Aufkleben reflektierender Punkte (Flügeletiketten) auf den Flügeln signiert.


Da 1962 die Wetterbedingungen zum und nach dem Zeitpunkt des Schlupfes einen Falterflug mehrere Wochen lang verhinderten, mussten die Falter in dieser Zeit ohne Nahrung auf ihr Aussetzen warten. Da dies keine negativen Auswirkungen zu haben schien, wurde in der Versuchsreihe von 1968 ein Sonderversuch bzgl. dieser Feststellung durchgeführt.
Bei 868 im Jahre 1962 (24.06, 08.07 und 10.07.1962) freigelassenen Faltern kam es zu lediglich 16 Rückmeldungen (= 1.85%). Bis auf einen 20 km südwestlich gelegenen Fundort (März 1963) waren alle übrigen Fundorte weniger als 10 km vom Aussetzplatz entfernt und zum größten Teil nordlich bzw. nordöstlich gelegen. 3 Wiederfunde betrafen Falter, die im September/Oktober umherflogen und eingefangen wurden.
Im Jahr 1968 waren die Wetterbedingungen besser und ähnlich denen auf Chalkidiki.
Bei den an drei verschiedenen Tagen freigelassenen 1627 Faltern gab es auch hier nur wenige, nämlich 14 Rückmeldungen (= 0.86%).
Am ersten Abflugtag (14.06.1968) war es sonnig und es herrschte Südwind. Ein Teil der Falter flog unmittelbar mit dem Wind ab. Die ersten Wiederfunde nach 7 und 10 Tagen meldeten in einer nordwestlichen Entfernung von 18 bzw. 31 km in Sommerdiapause befindliche Falter.
Der zweite Abflugtag (21.06.1968) war deutlich kühler und es wurden an diesem Tag keine direkten Wanderungen beobachtet. Aber in den folgenden Tagen wurde das Wetter bei erneutem Südwind wieder besser. Nach 3 und 8 Tagen wurden die ersten beiden Wiederfunde gemeldet. Die Entfernung betrug hier 18 bzw. 75 km, die Richtung der Funde war nördlich und beide Falter befanden sich in Häusern in Sommerdiapause. 2 Wiederfunde betrafen Falter, die im September/Oktober umherflogen.
Am dritten Abflugtag (29.07.1968) wurden 100 Falter entlassen, die nach ihrem Schlupf 6 Wochen ohne Nahrung in einem dunklen Kasten bei ca. 10 Grad Celsius verbracht hatten. Hier kam es 26 Tage später zum einzigen Wiederfund in 5 km östlicher Entfernung.
Nach Auswertung der Wiederfunde von Faltern kam Roer zu folgenden Ergebnissen bzw. Schlussfolgerungen:
- Nach Verlassen der Puppenhülle wandern die Falter bei geeignetem Flugwetter ab
- Der Falter wandert mit dem Wind (Mitwindmigration)
- Frisch geschlüpfte Falter benötigen zunächst keine Nahrung
- Die Populationen aus Chalkidiki halten nach Abschluss ihrer Wanderung eine Sommerdiapause
- Vor Überwinterung werden die Falter erneut aktiv, um sich ein Reservestoffdepot anzumästen
- Mit einer raschen Erholung der mitteleuropäischen Populationen ist nicht zu rechnen, da die Chancen, dass ein Zuwanderer nach erfolgreicher Überwinterung einen bodenständigen Partner findet, oder zwei Immigranten einander finden, sehr gering sind.
Der letzte Schluss hat sich heute (ca. 40 Jahre später) offensichtlich bestätigt...







