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Überblick

Die folgenden Formen/Aberrationen1 des Trauermantels sind beschrieben:

  1. ab. hygiaea Heydenreich, 1851

  2. ab. daubii

  3. ab. roederi

  4. ab. artemis Fischer

  5. ab. epione Fischer

  6. ab. dorfmeisteri Fischer

Siehe auch Forschung bzgl. Variablität des TrauermantelsForschung bzgl. Variablität des Trauermantels.

Einschub

Im Juli 2005 hatte ich das Glück, zufällig einer in der Natur entstandenen Form/Aberration zu begegnen.

Ein ungewöhnlich gezeichneter C-Falter flog auf einem Waldweg in der Nähe von Cochem/Mosel.

Links ein "normaler" C-Falter, rechts die beobachtete Form/Aberration des C-Falters.

Die Flügelzeichnung der Form/Aberration sieht aus wie "weich gezeichnet" und ist vermutlich durch ungewöhnliche hohe Temperaturen in den ersten Tagen des Puppenstadiums entstanden.

Wahrscheinlich handelt es sich um Aberration suffusa (aufgeführt in der Online-Datenbank des Cockayne Trust, LondonCockayne Trust, London).

1Es gibt unterschiedliche Meinungen, wann eine Abweichung als Aberration oder z.B. als indivduelle Variation eingestuft wird. Hierbei kann die Anzahl der Individuen ein Abgrenzungsmerkmal sein, aber auch der Ursprung der Abweichung. Beispielsweise kann die Abweichung aufgrund von genetischen oder klimatischen Faktoren entstanden sein. Darüber hinaus ist die Festlegung der Grenze zwischen Aberrationen und individuellen Variationen schwierig. Laut meines Wissenstands gibt es derzeit keine allgemein anerkannte klare Definition des Begriffs Aberration.

hygiaea

ab. hygiaea Heydenreich, 1851

Die gelben Vorderrandflecke und die blauen Flecken fehlen. Der gelbe Saum ist stark verbreitert.

Diese Form/Aberration entsteht durch große Hitze oder große Kälte während der Puppenphase und kann in heißen Sommern auch in der freien Natur gefunden werden Quelle: Bergmann, 1952 - Die Großschmetterlinge Mitteldeutschlands.

Nymphalis antiopa ab. hygiaea (Zuchtaufnahme) [67,5 mm]; Sammlung: Museum Koenig, Bonn, Deutschland; Temperaturversuche Carl Frings, Bonn: Puppe 3 Stunden bei +43ºC., 3 Stunden absenkend auf +38ºC., hier 8 Stunden verbleibend.; Fotograf: Ingo Daniels (23. Oktober 2009); Zucht: Carl Frings; Bonn, Deutschland (1902)
  • Nymphalis antiopa ab. hygiaea (Zuchtaufnahme) [67,5 mm]
  • Temperaturversuche Carl Frings, Bonn: Puppe 3 Stunden bei +43ºC., 3 Stunden absenkend auf +38ºC., hier 8 Stunden verbleibend.
  • Sammlung: Museum Koenig, Bonn, Deutschland
  • Fotograf: Ingo DanielsIngo Daniels (23. Oktober 2009)
  • Zucht: Carl Frings; Bonn, Deutschland (1902)
Nymphalis antiopa ab. hygiaea (Zuchtaufnahme) [61 mm]; Sammlung: Museum Koenig, Bonn, Deutschland; Temperaturversuche Carl Frings, Bonn: Puppe 4 Stunden +42,5°C.; Fotograf: Ingo Daniels (23. Oktober 2009); Zucht: Carl Frings; Bonn, Deutschland (Juli 1914)
  • Nymphalis antiopa ab. hygiaea (Zuchtaufnahme) [61 mm]
  • Temperaturversuche Carl Frings, Bonn: Puppe 4 Stunden +42,5°C.
  • Sammlung: Museum Koenig, Bonn, Deutschland
  • Fotograf: Ingo DanielsIngo Daniels (23. Oktober 2009)
  • Zucht: Carl Frings; Bonn, Deutschland (Juli 1914)

Um das Jahr 1992 hatte Stefan Höhnel in Glashütte/Sachsen das Glück, die Form/Aberration ab. hygiaea in freier Natur zu beobachten und fotografieren zu können. Der Falter saugte in seinem Garten an überreifen Kirschen.

Weitere Exemplare der Form/Aberration ab. hygiaea siehe: Präparierte Falter des Trauermantels: Nymphalis antiopa ab. hygiaeaPräparierte Falter des Trauermantels: Nymphalis antiopa ab. hygiaea

daubii

ab. daubii

Max Standfuss (1854-1917) benennt in Quelle: Standfuss, 1896 - Handbuch der paläarkitischen Gross-Schmetterlinge für Forscher und Sammler[Standfuss, 1896] seine im Rahmen von Temperaturversuchen künstlich erzeugten Formen/Aberrationen nach seinem Freund "Daub in Karlsruhe" als Vanessa antiopa var. daubii Stdfs., und beschreibt die Form/Aberration wie folgt:

"Auf der Oberseite ist die braune Grundfarbe dieser sehr schönen Form/Aberration verdüstert, zumal auf den Hinterflügeln, die bisweilen fast schwarz erscheinen; die etwa auf die Hälfte der normalen Grösse reduzierten blauen Randpunkte zeigen einen Stich ins Violette; was diesen Tieren aber den stark abweichenden Charakter aufprägt, das ist der ausserordentlich verdüsterte gelbe Rand beider Flügelpaare. Auch dieser geschwärzte Rand zeigt sich auf den Vorderflügeln in der Richtung nach den blauen Flecken hin wellig ausgebuchtet, während er auf den Hinterflügelnn meist die normale Form besitzt. Auffallend ist bei den meisten Stücken der stark ausgeschweifte Dorsalrand der Vorderflügel, welcher an der Dorsalecke einen sichtlich kleineren Winkel als den normaler Exemplare zur Folge hat. Ferner ist der Aussenrand beider Flügelpaare an den Rippenenden zu weniger weit hervorragenden Spitzen ausgezogen als bei der gewöhnlichen Form."
Nymphalis antiopa ab. daubii (Zuchtaufnahme) [65 mm]; Sammlung: Museum Koenig, Bonn, Deutschland; Temperaturversuche Carl Frings, Bonn: Puppe 44-48 Stunden +38°C.; Fotograf: Ingo Daniels (23. Oktober 2009); Zucht: Carl Frings; Bonn, Deutschland (1901)
  • Nymphalis antiopa ab. daubii (Zuchtaufnahme) [65 mm]
  • Temperaturversuche Carl Frings, Bonn: Puppe 44-48 Stunden +38°C.
  • Sammlung: Museum Koenig, Bonn, Deutschland
  • Fotograf: Ingo DanielsIngo Daniels (23. Oktober 2009)
  • Zucht: Carl Frings; Bonn, Deutschland (1901)
Nymphalis antiopa ab. daubii (Zuchtaufnahme) [67 mm]; Sammlung: Museum Koenig, Bonn, Deutschland; Temperaturversuche Carl Frings, Bonn: Puppe 44-48 Std +38°C.; Fotograf: Ingo Daniels (23. Oktober 2009); Zucht: Carl Frings; Bonn, Deutschland (1900)
  • Nymphalis antiopa ab. daubii (Zuchtaufnahme) [67 mm]
  • Temperaturversuche Carl Frings, Bonn: Puppe 44-48 Std +38°C.
  • Sammlung: Museum Koenig, Bonn, Deutschland
  • Fotograf: Ingo DanielsIngo Daniels (23. Oktober 2009)
  • Zucht: Carl Frings; Bonn, Deutschland (1900)

Weitere Exemplare der Form/Aberration ab. daubii siehe: Präparierte Falter des Trauermantels: Nymphalis antiopa ab. daubiiPräparierte Falter des Trauermantels: Nymphalis antiopa ab. daubii

roederi

ab. roederi

Max Standfuss (1854-1917) benannte im Herbst 1893 seine im Rahmen von Temperaturversuchen künstlich erzeugten Formen/Aberrationen nach seinem Freund "Röder in Wiesbaden" als Vanessa antiopa ab. roederi Stdf. (siehe Quelle: Standfuss, 1896 - Handbuch der paläarkitischen Gross-Schmetterlinge für Forscher und Sammler), und beschreibt die Form/Aberration wie folgt:

"Oberseite: Der gelbe Aussenrand wird öfter noch stärker verschmälert und erhält reichliche Beimischung schwarzer Schuppen. Das Blau wird durchweg sehr wesentlich vermehrt und scheint nun in den Hinterflügeln fast stets die Neigung zu erhalten, winkelig in den gelben Saum vorzuspringen. Die Grundfarbe der Hinterflügel wird ein prächtiges Sammetschwarz, die der Vorderflügel auch sehr sichtlich verdunkelt."
Nymphalis antiopa ab. roederi (Zuchtaufnahme) [56 mm]; Sammlung: Museum Koenig, Bonn, Deutschland; Temperaturversuche Carl Frings, Bonn: Puppe 40 Tage +6°C. 3 var Roederi Stdfm. Brennerpass geschl. Auf. XI 1909.; Fotograf: Ingo Daniels (23. Oktober 2009); Zucht: Carl Frings; Bonn, Deutschland (1902 o. 1909)
  • Nymphalis antiopa ab. roederi (Zuchtaufnahme) [56 mm]
  • Temperaturversuche Carl Frings, Bonn: Puppe 40 Tage +6°C. 3 var Roederi Stdfm. Brennerpass geschl. Auf. XI 1909.
  • Sammlung: Museum Koenig, Bonn, Deutschland
  • Fotograf: Ingo DanielsIngo Daniels (23. Oktober 2009)
  • Zucht: Carl Frings; Bonn, Deutschland (1902 o. 1909)
Nymphalis antiopa ab. roederi [68,5 mm]; Sammlung: Museum Koenig (Untersammlung: René Oberthür), Bonn, Deutschland; Fundort: Zürich, Schweiz (September 1957); Fotograf: Ingo Daniels (23. Oktober 2009)
  • Nymphalis antiopa ab. roederi [68,5 mm]
  • Sammlung: Museum Koenig (Untersammlung: René Oberthür), Bonn, Deutschland
  • Fundort: Zürich, Schweiz (September 1957)
  • Fotograf: Ingo DanielsIngo Daniels (23. Oktober 2009)

Weitere Exemplare der Form/Aberration ab. roederi siehe: Präparierte Falter des Trauermantels: Nymphalis antiopa ab. roederiPräparierte Falter des Trauermantels: Nymphalis antiopa ab. roederi

artemis

ab. artemis Fischer

Emil Fischer (1868-1954) benennt in Quelle: Fischer, 1895 - Transmutation der Schmetterlinge in Folge Temperaturänderungen. Experimentelle Untersuchungen über die Phylogenese der Vanessen.[Fischer, 1895] seine im Rahmen von Temperaturversuchen künstlich erzeugten Formen/Aberrationen als Vanessa antiopa aberr. Artemis Fischer (aus Quelle: Rebel, 1895 - Publicationen ueber Lepidopteren[Rebel, 1895]).

Die blauen Flecken sind vergrößert. Der gelbe Saum ist schmäler. Die Form/Aberration entsteht durch Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt während der Puppenphase, kann aber auch bei einer auf 40-42ºC. gesteigerten Temperatur entstehen.

Es ist wahrscheinlich, dass ab. roederi und ab. artemis die gleiche Form/Aberration benennen.

epione

ab. epione Fischer

Emil Fischer (1868-1954) benennt in Quelle: Fischer, 1895 - Transmutation der Schmetterlinge in Folge Temperaturänderungen. Experimentelle Untersuchungen über die Phylogenese der Vanessen.[Fischer, 1895] seine im Rahmen von Temperaturversuchen künstlich erzeugten Formen/Aberrationen als Vanessa antiopa aberr. Epione Fischer (aus Quelle: Rebel, 1895 - Publicationen ueber Lepidopteren[Rebel, 1895]).

Der gelbe Saum ist schmäler, die blauen Flecken sind kleiner. Die Form/Aberration entsteht durch eine mäßige Erhöhung der Temperaturen auf 35ºC. während der Puppenphase.

dorfmeisteri

ab. dorfmeisteri Fischer

Emil Fischer (1868-1954) benennt in Quelle: Fischer, 1902 - Drei neue Formen aus der Gruppe der Vanessiden[Fischer, 1902] seine im Rahmen von Temperaturversuchen künstlich erzeugten Formen/Aberrationen nach dem Wiener Lepidopterologen Vincenz Dorfmeister (1819-1859) als Vanessa antiopa var. dorfmeisteri Fschr.).

Die blauen Flecken sind durch schwarzes Pigment vollständig ausgelöscht.