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Trauermantel; Foto: Thomas Ziebarth; Unterschönau, Thüringen, Deutschland (05. September 2005)

Für viele Menschen ist eine Begegnung mit dem Trauermantel ein seltenes und ganz besonderes Ereignis. Dies gilt auch für sonst eher wenig den Naturdingen zugewandte Personen. Oft bleiben Begegnungen mit dem Trauermantel lange in Erinnerung und manch einer möchte mehr über diesen schönen aber doch zumeist seltenen Falter wissen.

Sein Erscheinungsbild ist einzigartig, der Trauermantel ist unverwechselbar.

Mit einer Spannweite von bis zu 76 mm gehört der Trauermantel in Deutschland bzw. in Europa zu den größten vorkommenden Tagfaltern.

Anders als viele andere Tagfalter, macht der Trauermantel weniger den Eindruck eines, sagen wir fröhlichen Gauklers. Vielmehr wird er oft als schwermütig, düster oder gar als Todesbote tituliert.

Die Flügeloberseiten des Trauermantels sind von schwer zu beschreibender bräunlicher/samtschwarzer Farbe.

An den außen liegenden Rändern befindet sich ein zusammenhängender gelber leicht mit schwarzen Pünktchen gefleckter Saum

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Trauermantel auf dem Stamm einer Birke; Der Trauermantel wechselte seine Sonnen-Position alle ca. 5 Minuten zwischen einem Kiesweg und den Stämmen von Birken.; Foto: Ingo Daniels; Berlin-Dahlem, Botanischer Garten, Deutschland (22. März 2012, 12:43 Uhr)

Der Saum überwinterter Falter ist zumeist ausgeblichen hellgelb bis weißlich.

Es ist auch möglich, dass Trauermäntel ohne Farbverlust überwintern und im Frühjahr mit prächtigen Farben erscheinen Quelle: Böhling, 1996 - Eine Beobachtung zur Überwinterung des Trauermantels (Nymphalis antiopa L.) in der Lüneburger Heide. Außerdem kann es Trauermäntel geben, die über einen angeborenen weißen Saum verfügen (insbesondere im skandinavischen Raum) oder Farbvariationen zwischen gelb und weiß aufweisen Quelle: Esper, 1777 - Die Schmetterlinge in Abbildungen nach der Natur Quelle: Cockayne, 1921 - The White Border of Euvanessa antiopa L. Quelle: Chalmers-Hunt, 1977a - The 1976 Invasion of the Camberwell Beauty (Nymphalis antiopa L.) (siehe /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifForschung zur Variabilität: Gelber oder weißer Saum?). Dabei zeigt sich in Europa ein Nord/Süd-Gefälle: Im Norden tendentiell ein angeborener weißer Saum. Im Süden tendentiell ein gelber Saum.

Neben dem gelben/weißen Saum befindet sich auf einem schwarzen Vorsaum ein Band blauer/violetter Flecken, auch Postdiskalflecken Quelle: Tolman/Lewington, 1998 - Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas, Prachtflecken Quelle: Bergmann, 1952 - Die Großschmetterlinge Mitteldeutschlands oder Dorsalflecken Quelle: Standfuss, 1896 - Handbuch der paläarkitischen Gross-Schmetterlinge für Forscher und Sammler genannt.

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Ausschnitt der Flügeloberseite desTrauermantels; Deutlich sind die Schuppen des (hier wegen Überwinterung) hellgelben Saums, des schwarzen Vorsaums mit den blauen Prachtflecken, sowie des rotbraunen Flügelhintergrunds erkennbar.; Foto: Ingo Daniels; Berlin-Dahlem, Botanischer Garten, Deutschland (22. März 2012, 12:48 Uhr)

Die Farbe der Flecken kann sich mit dem Winkel des einfallenden Lichts ändern und so zwischen Blau- und Violett-Tönen wechseln (Quelle: Eigenbeobachtung, 22.03.2012). Dies ist ähnlich dem blauen Schiller eines männlichen Großen Schillerfalters, der abhängig vom Winkel des einfallenden Lichts entsteht.

Die Oberflügel des Trauermantels tragen in der Regel acht, die Hinterflügel sieben dieser meist ovalen oder keilförmigen Flecken.

Am Vorderrand der Vorderflügel befinden sich zwei senkrecht abgehende weiße/gelbliche Längsflecke, auch Costalflecke genannt Quelle: Standfuss, 1896 - Handbuch der paläarkitischen Gross-Schmetterlinge für Forscher und Sammler.

Für die Flügeloberseiten des Trauermantels gibt es in der Literatur die unterschiedlichsten Farbbeschreibungen:

schwarz Quelle: von Linné, 1767 - Caroli a Linné, Systema Naturae, Tom. I. Pars II., Editio Duodecima Reformata., dunkelbraun-rötlich Quelle: De Geer, 1778 - Abhandlungen zur Geschichte der Insekten, samtartig braun Quelle: Seitz, 1909 - Die Gross-Schmetterlinge der Erde: Eine systematische Bearbeitung der bis jetzt bekannten Groß-Schmetterlinge, sammet braun Quelle: Borkhausen, 1788 - Naturgeschichte der Europäischen Schmetterlinge, sammetartig schwarzbraun, kaffeebraun Quelle: Hofmann, 1894 - Die Großschmetterlinge Europas, schokoladebraun, schokoladenfarben Quelle: Harris, 1766 - The Aurelian, sammetartiges tiefes Rotbraun Quelle: Gönner, 1928 - Der Trauermantel und sein Formenkreis, samtig dunkelviolett-braun Quelle: Bühler-Cortesi, 2009 - Schmetterlinge - Tagfalter der Schweiz, weichselbraun Quelle: Freyer, 1836 - Neuere Beiträge zur Schmetterlingskunde, Zweiter Band, Heft 25, purpurbraun Quelle: Scudder, 1899 - Every-day Butterflies: A Group of Biographies, dunkel rötlich-schwarz Quelle: Hoffmann, 1846 - Das Buch der Welt, flohfarben Quelle: Bechstein/Scharfenberg, 1805 - Vollständige Naturgeschichte der schädlichen Forstinsekten, samtenes braunschwarz Quelle: Busch, 1956 - Interessantes aus der Insektenwelt der Hocheifel.

Die Grundfarbe der Flügeloberseite kann ins Schwarze, bisweilen aber auch ins Hellbraune gehen Quelle: Esper, 1777 - Die Schmetterlinge in Abbildungen nach der Natur. Ross Layberry sieht für nordamerikanische Trauermäntel die Unterart ssp. hyperborea (siehe: /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifUnterarten: hyperborea) grundsätzlich mit einer helleren ins Braune gehenden Flügeloberseitenfarbe versehen, während die nordamerikanische Unterart ssp. lintnerii die gleiche dunklere Grundfarbe, wie die europäische Stammform hat Quelle: Layberry, 2009 - Possible Subspecies of the Mourning Cloak (Nymphalis antiopa).

Auch die Beschreibungen der Saumfarbe sind vielfältig:

schwefelgelb Quelle: Bühler-Cortesi, 2009 - Schmetterlinge - Tagfalter der Schweiz, strohgelb Quelle: Gönner, 1928 - Der Trauermantel und sein Formenkreis, lichtgelb, gelbbraun/beige (buff-yellow) Quelle: Scudder, 1899 - Every-day Butterflies: A Group of Biographies, hellgelb Quelle: Harris, 1766 - The Aurelian.

Unter ultraviolettem Licht erscheint der gelbe Saum in gleicher Intensität orange. Im Gegensatz zum Saum ist die Farbe der blauen/violetten Flecken unter ultraviolettem Licht aber identisch Quelle: Phillips, 1959 - Fluorescence in the colors of certian Lepidoptera observed under ultraviolet light.

Es kann kleinere Variationen in Größe, Farbgebung und Zeichnung der Flügel geben. Diese Variationen können u.a. in Zusammenhang mit den Temperaturbedingungen während der Puppenphase stehen (siehe z.B. /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifFormen/Aberrationen, /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifIndividuelle Variationen und /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifForschung zur Variabilität).

Die Flügelunterseiten sind schwarz/grau/braun mit den gleichen hellen Rändern der Flügeloberseiten.

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Trauermantel an Erde saugend; Foto: Gerd Lintzmeyer; Zeitzer Forst (Rand des Forstgebiets), Sachsen-Anhalt, Deutschland (11. Juli 2003 (morgens))

Sie erinnern bisweilen an Baumrinde oder ein vertrocknetes Blatt. Ruht der Falter z.B. auf einer Baumrinde, so ist er dadurch sehr gut getarnt. Diese Tarnung reduziert auch die Wahrscheinlichkeit der Entdeckung bei der Sommerruhe (siehe: /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifVerhalten: Sommerruhe) und Überwinterung (siehe: /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifVerhalten: Überwinterung).

Wie andere Edelfalter auch, hat der Trauermantel in der Mitte der Hinterflügel-Unterseite eine helle Markierung.

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Nahansicht des Kopfes eines Trauermantels; In der Nahansicht offenbart der Trauermantel umso mehr seine faszinierende Schönheit.; Foto: Ingo Daniels; Berlin-Dahlem, Botanischer Garten, Deutschland (22. März 2012, 12:39 Uhr)

Im Gegensatz zu den eindrucksvoll gezeichneten Flügeln ist der behaarte Körper des Trauermantels von nicht ungewöhnlicher dunkelbrauner bis schwarzer Farbe, allerdings zeichnen sich die gelbbraunen Beine deutlich vom dunklen Körper ab.

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Fühler des Trauermantels; Die Fühler des Trauermantels bestehen aus 38 Gliedern.; Foto: Ingo Daniels; Berlin-Dahlem, Botanischer Garten, Deutschland (22. März 2012, 12:50 Uhr)

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Beine des Trauermantels; Die vier Beine des Trauermantels heben sich mit ihrer hellgelben Farbe von dem ansonsten dunklen Körper ab.; Foto: Ingo Daniels; Berlin-Dahlem, Botanischer Garten, Deutschland (22. März 2012, 12:50 Uhr)

Wie alle Mitglieder der Familie der Edelfalter hat der Trauermantel nicht, wie sonst üblich 6 Beine, sondern derer nur 4. Das vordere Beinpaar hat sich über die Zeit zurückgebildet und wird zum Putzen verwendet.

Die Fühler bestehen aus 38 Gliedern mit oben und unten rostbraun gefärbten Kolbenenden. Die Lippentaster sind weißgelb.

Männliche und weibliche Falter des Trauermantels sehen sich sehr ähnlich. Allerdings unterscheiden sie sich in der Gestalt ihrer Vorderbeine: Diese sind bei Männchen etwas schlanker und weniger behaart (Quelle: /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifJoseph Belicek, pers. comm., 2009).

Obwohl weibliche Trauermäntel generell etwas größer sind, als männliche Trauermäntel, ist dies aufgrund der variablen Faltergrößen kein verlässliches Unterscheidungsmerkmal der Geschlechter.

Nach WikipediaEugen Johann Christoph Esper (1742-1810) haben die Weibchen des Trauermantels einen etwas dickeren Leib, als die Männchen Quelle: Esper, 1777 - Die Schmetterlinge in Abbildungen nach der Natur[Esper, 1777]:

Blos der dickere Leib ists, woran man das Weibchen kennt; um etwas pflegt das Männchen feiner zu seyn.

WikipediaNikolaus Joseph Brahm (1754-1821) meint in den Trauermänteln seiner Sammlung bei Männchen auf den blauen Flecken einen rötlichen Schimmer, bei den Weibchen hingegen einen bläulichen Schimmer feststellen zu können (Quelle: Brahm, 1791 - Handbuch der ökonomischen Insektengeschichte[Brahm, 1791]) Auch ich habe bei meiner Trauermantel-Beobachtung in 2012 einen Schimmer auf den blauen Flecken bemerkt: allerdings einen lilafarbenen (siehe: /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifEigene Sichtungen: Sichtungen 2012).

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Ein männlicher und ein weiblicher Zitronenfalter; Im Frühjahr 2014 flogen ungewöhnlich viele Zitronenfalter durch den Bonner Kottenforst. Alle paar Meter verfolgte an diesem sonnigen Tag bei ca. 17°C. an sonnenbeschienenen Waldwegen ein Männchen ein Weibchen.; Foto: Ingo Daniels; Bonn, Kottenforst/Nordrhein-Westfalen, Deutschland (17. April 2014, 14:45 Uhr)

Anders als der Trauermantel verfügen viele andere Tagfalter über einen ausgeprägten Sexualdimorphismus, wie z.B. der Zitronenfalter, bei dem die Männchen gelb gefärbte, die Weibchen hingegen weiß gefärbte Flügel haben.